Fischerei der Steinzeit

Steinzeitliche Fischereitechniken vom Paläolithikum bis zum späten Neolithikum

Ausgehend von der Altsteinzeit (Paläolithikum) über die mittlere Steinzeit (Mesolithikum) bis zur Jungsteinzeit (Neolithikum) findet eine stetige Entwicklung der Fischereitechniken statt, so das am Ende der Jungsteinzeit bereits die meisten Fischereigeräte existierten, welche auch heute noch in der Berufsfischerei gebräuchlich sind.

Natürlich hatte jede Region in Europa ihre eigenen Entwicklungen und Ausprägungen, so das ich mich hier auf eine allgemeine Übersicht beschränken möchte. Fischereigerät findet sich bereits in den archäologischen Funden des späten Paläolithikums  in Form von Angelgeräten, Harpunen und Fischspeeren.

Die ältesten Fischspeerspitzen waren zunächst mit einer einreihigen Widerhakenreihe versehen, manche Spitzen waren sogar glatt. Fischspeere und  Harpunen im Paläolithikum aus Knochen und Horn erhielten dann im Laufe der Entwicklung 1- 2 Widerhakenreihen. Besonders verbreitet waren einreihige Fischspeerspitzen mit  konvex- konkarven Zähnen, welche vom Jungpaläolithikum bis zur Spätjungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur verwendet wurden.

Es gab ein und mehrspitzige Fischspeere, welche z.B. mit Baumbastgarnen wie Lindenbast oder anderen Pflanzenfasern, z.B. Brennnessel am Schaft befestigt wurden. Es wird sicherlich auch sehr viele Speere mit Holzspitzen gegeben haben, wie sie aus späteren Zeiten der Vorgeschichte erhalten sind. Bei den fischenden Kulturen auf den verschiedenen Kontinenten waren solche Fanggeräte oft weit entfernt voneinander in ähnlicher Art in Gebrauch..

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Speer und Harpune

Harpunen und Fischspeere wurden seit dem  Paläolithikum in verschiedener Formen durch alle Phasen der Steinzeit verwendet. Verwendete Materialien waren Holz, Knochen, Geweih, Stein., zum Binden der Spitze von Fischspeeren oder für die Fangleine einer Harpune Baumbaste und andere  Pflanzenfasern

Beim Fischspeer sind die Spitze (oder die Spitzen) fest mit dem Schaft verbunden. Mit dem Speer werden zumeist kleinere Fische vom Ufer oder Einbaum aus gestochen  Der Fisch wird dabei vom Speer durchbohrt und geborgen. (siehe Gaff oder Schlaghaken)

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Harpunen wurden vor allen zur Fischerei auf größere Fische wie Hecht und Wels eingesetzt. An der Küste jagte man damit auch Meeressäuger wie Robben oder gar Schweinswale. Bei der Harpune sind die Spitzen nur lose am Schaft befestigt.

Die Schäfte werden wohl meist spindelförmig gewesen sein, um gute Wurfeigenschaften zu besitzen.

Von dem Gewicht der Harpune und von der Wucht des Wurfes hängt das sichere und ausreichend tiefe Eindringen der Spitze in den Fisch oder Meeressäuger ab.

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Dabei löst sich die Spitze vom Schaft und die Verbindung zur Beute  wird über eine Leine gehalten. Widerhaken sollten verhindern, das die Spitze sich aus dem Fleisch des Fisches löst.

Es gab und gibt Harpunen (auch heute noch in der volkskundlichen Fischerei vieler Völker) mit einer Handleine und sich lösenden Schaft ebenso wie mit einer Leine, welche die  Spitze  mit der Mitte des Schaftes verbindet und den Fisch  an der Flucht hindert, indem sich der Schaft bei der Flucht querstellt. Es gab Harpunen mit am Fuß durchbohrter Spitze und Harpunen, bei denen die Fangleine an einer Verdickung oder Einkerbung um den Fuß der Spitze angebunden ist.

Die Lyster

Ein besonderes sehr spezialisiertes Fanggerät im nördliche Europa war die Lyster.

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Diese wurde alleine an 2 Fundorten in Deutschland (Rosenhof und Siggeneben) in über 100 erhaltenen Exemplaren nachgewiesen. Dieser im Mesolithikum häufig verbreitete Fischspeer wurde ausschließlich zum Aalfang verwendet.

An einem langem  Holzschaft  befinden sich 2 hölzerne, auswärts gebogenen Spitze auch Schalmen genannt. Diese Schalmen sind aus Hartholz wie Schlehe oder Weißdorn gefertigt worden. Dabei wurde ein gebogenes oder leicht S-förmiges Stück Hartholz in der Mitte gespalten, wobei 2 gleichförmige Hälften entstehen. Nach der Bearbeitung werden diese beiden Schalmen an den entgegen liegenden Seiten der Spitze mit halben Schlägen angebunden, das diese noch leicht federn können. In der Mitte zwischen den Schalmen über dem Schaftende ist eine Öffnung, in welcher  sich wiederum ein Dorn aus Knochen im Schaft befestigt sein konnte..

Mit der Lyster wurde meist ohne Sicht in den schlammigen Grund eines Gewässers gestochen, wobei Aale in die Aussparung zwischen den flexiblen hölzernen Schalmen eingeklemmt und gegebenenfalls auf den Dorn aufgespießt wurden.In der volkskundlichen Fischerei wurde die Lyster, allerdings aus Eisen, noch bis in das 20 Jahrhundert verwendet.

Mit diesem perfekt entwickelten Fanggerät ließen sich Aale vor allen im Winter in der Winterstarre unter dem Eis am Grund erbeuten. Die jüngste Lyster in Norddeutschland, welche mir aus der Jungsteinzeit bekannt ist, stammt aus der Grube Siggeneben im Kreis Ostholstein. Die Datierung dieses Fundes ist um 3200 v Chr.

Im Laufe der Jungsteinzeit verschwindet die Lyster dann aus dem Fundgut und taucht erst ab der Eisenzeit  in beinahe gleicher Form (Material Eisen)  wieder auf. Vermutlich war die Ausübung der Reusenfischerei im Neolithikum so verbreitet, das die Fischerei mit der Lyster dem gegenüber an Bedeutung verlor. Archäologische Hinweise auf die Lysterfischerei im späten Neolithikum und der Bronzezeit sind mir bislang nicht bekannt.

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