Das Reepschlägerhandwerk

Verwendet wurde der Name „Reepschläger“( oder auch Reepslegere, Reepsleger, Reeper, Reepsläger) allein im niederdeutschen Sprachgebiet und im Ostseeraum. Gemeint sind mit diesem Namen die spezialisierten Handwerker, welche Seilwerk für die Schifffahrt, vor allen die Seeschifffahrt herstellten.

Jürgen Eichhoff drückt es in seiner wissenschaftlichen Studie „Die Sprache des niederdeutschen Reepschlägerhandwerks“ so aus:

Zitat:

Der Reepschläger ist ein Handwerker, dessen Kunst darin besteht, schweres Seilwerk für die Schifffahrt zu verfertigen. Er hat seinen Arbeitsplatz vornehmlich in den Küstenstädten an Nord und Ostsee“. Durch die Stärke und Länge des von ihm hergestellten Seilwerks, damit verbunden natürlich auch durch die  Größe seiner Werkstatt und entsprechende Arbeitsmethoden unterscheidet sich der Reepschläger vom Seiler. Seiler stellen dünnes Seilwerk für die Landwirtschaft und Fischerei her.

Weiter bemerkt Eichhoff: „Im Binnenland sind nur Seiler anzutreffen“

Wabel_s

Ein kleines Schlaggeschirr das einer
Wabel sehr ähnlich ist steht im
Fischerhaus des
Freilichtmuseums Ehestorf
Eine fast unveränderte Technik vom
Hochmittelalter bis in die Neuzeit

In Volkskunde- und Schifffahrtsmuseen in Norddeutschland und den angrenzenden Nachbarländern lassen sich auch heute noch die im Reepschlägerberuf bereits seit dem Mittelalter überlieferten Werkzeuge besichtigen.

.Wer die Segelschiffe vom Mittelalter bis in das 20 Jahrhundert kennt, kann angesichts deren Takelage und des dafür benötigten Spezialseilwerkes verstehen, warum der „Reepschläger“ eine damals durch Zunftrecht und Gesetze geschützte Berufsbezeichnung war.

Die Reepschlägerzünfte des 14 Jahrhunderts hatten bereits sehr hohe Anforderungen an den zu verwendenden Rohstoff wie auch das fertige Seilgut. Unter allen Berufen, welche sich mit Seilherstellung beschäftigten, waren die Reepschläger die qualifiziertesten und spezialisiertesten Handwerker.

Reepschläger standen mit ihrer Tätigkeit im hohen Ansehen, da sie für die Schifffahrt und somit Wirtschaft der Küstenstädte lebenswichtig waren. (Eichhoff , Niederdeutsche Studien, Band 16, Seite 10, Böhlau Verlag Köln Graz)

Der Arbeitsplatz, die Reeperbahn, war teilweise oder ganz überdacht und konnte bis zu 300 Metern lang sein. Am Ende befand sich ein Schuppen für die Geräte. Im Mittelalter befanden sich die Reeperbahnen auch oft direkt an der Stadtmauer, da sich dort die benötigten, langen gerade Strecken fanden. An der Stadtmauer war auch leicht ein Dach anzuschlagen. Normale Schiffstaue hatten eine Länge von 120 Faden, ca. 220 Meter. Reeperbahnen in den Niederlanden hatten im 17 Jh. eine Länge von 250 Faden.

In der wirtschaftlichen Blütezeit ihres Handwerkes im 14./15. Jahrhunderts überließen die Reepschläger einfache Kleinarbeiten und das Spinnen des Garnes den Hanfspinnern.

Auch die Hanfspinner hatten eigene Zünfte. Hanfspinner durften nur dünne Seile herstellen und ihre Tätigkeit wurde zum Beispiel in Lübeck von den Reepschlägern überwacht.(siehe Eichhoff, Seite 11)

Des charakteristische Werkzeug der Reepschläger ist die Warbel. Reepschläger führten diese Werkzeuge sogar auf ihren Zunftwappen.

Die Warbel  Auf  festen Stützen ist ein stabiles Holzbrett verankert, in welchem 3- 4 eiserne Kurbeln, die Schlagkaken, befestigt sind. Diese werden bei der Herstellung dünneren Tauwerks mit einem durchlochten Brett, welches über die Handgriffe gesteckt wird, verbunden.

Bedient wird die Warbel von mindestens 2 Personen. Bei extrem schwerem Seilwerk wurde sogar jede einzelne Kurbel der Warbel von je einer Person bewegt, was bei 4-kardelligen Tauwerk die Mitarbeit von bis zu 4 Personen allein an der Warbel erfordern konnte.

Gegenüber der festverankerten Warbel steht der bewegliche Schlitten (Platt „Sleden“), ein Gestell mit Kufen, welches mit Steinen gefüllt wird. Das langsame Vorrücken des Schlittens während des Reepschlagens gewährleistet die Festigkeit des entstehenden Seiles.. An diesem Schlitten ist ein schwerer Eisenhaken befestigt. Bei dessen Schlagen wird die Lehre, ein kegelförmiger 3- 4 fach gekerbter Holzklotz ( Höövd genannt), vom Schlitten aus bis hin zur Warbel vorgeschoben.

Sinn der Lehre ist, die Stränge des Seiles beim Schlagen des Seilwerkes zur Vermeidung des Verfilzens der Duchten oder Kabelgarne geordnet zu halten.

Im 17 Jh. kam dann noch der „Topsleden“ dazu, ein Schlitten, in welchem die Lehre befestigt wurde. Der „Topsleden“ wurde zur Herstellung schwerster Taue und Kabel verwendet und erzeugte durch seine Bremswirkung die nötige Festigkeit so bei der Fertigung je nachdem, ob ein Ankertau, eine Wante oder  ein Stag entstehen sollte.

Zwischen der Warbel und dem Schlitten stehen die „Stütt“ oder „Micken“ , gabelförmige Seilstützen, welche gewährleisten sollen, das die Stränge des entstehenden Seilwerkes nicht durchhängen und über den Boden schliffen.

Bei schwersten Kabeln für die Stagen der Segelschiffe konnte es passieren, das 8-9 Leute gleichzeitig auf einer Reeperbahn arbeiteten.

Buchtipp: (Jürgen Eichhoff Böhlau Verlag Köln Graz 1968 „Die Sprache des niederdeutschen Reepschlägerhandwerkes“, niederdeutsche Studien Band 16 )

Im 18-19 Jahrhundert verschmolzen dann die beiden ursprünglich unterschiedlichen Berufe des Seilers und Reepschlägers, übrig blieb bis heute der Seilerberuf..

Darstellung des Reepschlägerberufes auf historischen Veranstaltungen?

Außerhalb eines Freilicht, -Volkskunde oder Schifffahrtsmuseums halte ich Darstellungen des  historischen Reepschlägerhandwerkes auf  Veranstaltungen z. B Mittelalterdarstellung für nicht durchführbar.

Zum einen kenne ich keinen Handwerker , der über das nötige, extrem schwere Gerät und die erforderlichen Spezialkenntnisse verfügt, zum anderen stellt sich die Frage, wer das in erheblichen Mengen benötigte Rohmaterial bezahlt. Und wer außer einem Schifffahrtsmuseum hat Bedarf für Schiffstauwerk in Stärken von 4-8 Daumen Dicke?

Ein Kabel von 8 Daumen Dicke zu schlagen, wurden von der Rigaer Reepschlägerzunft unter anderen als Bestandteil der Meisterpüfung im Jahre 1665 gefordert.  (Eichhoff, Band 16, Seite 7)

Nebenan ist die Batavia abgebildet. Bereits die 200-300 Jahre älteren Schiffe des Mittelalters hatten entsprechendes stehendes Gut und erforderten das Können eines guten Reepschlägermeisters bei ihrer Anfertigung.

Die aufwendige Takelage der Batavia, gebaut 1632, zum Grössenvergleich eine 20”-Yacht. Beachten Sie die Stagen, die die Stärke des Yachtmastes übertreffen.

Eine  Darstellung des Reepschlägerhandwerkes ohne entsprechender Warbel , Micken und Schlitten ist aber ungefähr so authentisch wie  eine Schmieddarstellung ohne Hammer,  Amboss und Esse.

Hier bin ich froh, das ich als Fischer wesentlich leichteres Seilwerk benötige, welches ich mir auch ohne solch schweres Gerät noch selbst fertigen kann.

Allen, ernsthaft an dem Reepschlägerhandwerk interessierten Lesern möchte ich  das Buch “Die Sprache des niederdeutschen Reepschlägerhandwerkes“, Niederdeutsche Studien, Jürgen Eichhoff, aus dem Jahr 1968 empfehlen.

Meine Vorführungen zur einfachen Seilherstellung für die Fischerei

Auf historischen Veranstaltungen kann ich Ihnen mit unterschiedlichen Geräten zusätzlich zu meiner umfangreichen Fischereiausstattung die einfache Seilherstellung zeigen.

Seilherstellung mit Leinenschlägern und meinem Kammgeschirr kann auch für  Kinder angeboten werden. Derzeit ist auch ein kleines Schlaggeschirr für in Vorgereitung.

Bin ich einmal zeitlich verhindert, so stelle diese Geräten auch gerne Freunden und Bekannten zur Verfügung, welche sich ebenfalls in diese Technik eingearbeitet haben.

Auch kann ich im Internet www.Brandenburg1260.de/seilerei für historische Veranstaltungen sehr empfehlen.

Diese zeigen ein handwerkliches und ausrüstungstechnisches Niveau mit einer solchen Qualität, wie sie auch für andere Handwerker im Bereich „Living –History, geschweige denn der „Mittelalterszene“ beispielhaft sein müsste.

 „Rohstoff Hanf“

Ab dem Hochmittelalter war der Faserlieferant erster Wahl bei den Reepschlägern der Hanf. Hanf ist für ein Naturmaterial ausgesprochen scheuerfest und durch die Langfaserigkeit äußerst reißfest.

Der Hanf, welche Reepschläger verarbeiteten, musste Material erster Wahl sein, den holzigen Werg als Abfallprodukt der Fasergewinnung zu verwenden, verboten den Reepschlägern die entsprechende Gesetze.

Altes Tauwerk durfte nicht für neues Schiffstauwerk“ wiederverwertet werden. Hanf muss gut imprägniert werden, um nicht zu verrotten. Seit der Antike geschah dies durch Lohen mit Rinde oder Teeren mit Holzteer aus  den Teermeilern.

Heute ist der Hanf als Faserlieferant weitgehend durch die verrottungsfesteren Synthetikfasern verdrängt worden. In der Seefahrt und Fischerei stellen diese neuen Materialien für mich und meine Kollegen eine echte Arbeitserleichterung dar. (Ich als moderner Berufsfischer möchte ja auch nicht ständig meine modernen Netze und Seile imprägnieren müssen, wie ich es mit meinem historischen Fischereigeräten machen muss.)

Dabei lieferte der Hanf jenseits der Seilherstellung und des Drogenmissbrauchs auch nachweislich seit der Antike den Rohstoff für inzwischen auch  wissenschaftlich belegt, sehr wirksame Medikamente.

Dieser Aspekt der alten Seilerpflanze geht leider im ideologisch motivierten Streit zwischen geistloser ideologischer Verharmlosung durch die ihn missbrauchenden Gewohnheitskiffer und ebenso geistloser ideologischer Verfolgung (im Verhältnis zum realen Gefährdungspotential) durch Anhänger der Prohibition unter.
Schließlich sind weder die Kulturen der alten Ägypter, noch der Skythen, der alten Griechen oder Römer an deren nachgewiesenen Hanfkonsum in Form von Räucherwerk, Bier und Weingewürz untergegangen. Und selbst in Mitteleuropa wurden Hanfblüten in eisenzeitlichen Graburnen gefunden.

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