Mein Fischereibetrieb

Im April 2002 erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und kehrte nach 12 Jahren in meinen erlernten Beruf des Fischers zurück.
Eine große Hilfe war mir dabei Fischermeister Harald Ross, der damals Ältermann der Holmer -Fischerzunft zu Schleswig war.
Ohne die Hilfe von Harald und anderen Holmer- Fischerkollegen wäre meine Existenzgründung kaum möglich gewesen.
Nach meinen Umzug von Remscheid auf den Schleswiger Holm übernahm ich  dann ein Fischerboot von Harald Ross.
Dieses Boot mit dem Fischereikennzeichen Schle 6 trägt auch den Zweitnamen meines Sohnes "Laurin".
Auch bei der Beratung zu der Anschaffung der erforderlichen Fischereiausrüstung für die Küstenfischerei auf der Schlei war Harald meine größte Hilfe.

zerlegen einer Meerforelle
N_Jörg_1_s

Die Schlei
Als Brackwasser-Küstengewässer der Ostsee hat die Schlei einen enormen Artenreichtum an Fischarten. Hier begegnen sich typische "Seefische" wie Dorsche, Heringe, Köhler, Hornhechte, Seehasen... mit typischen Süßwasserfischen wie Brassen, Hechten, Flussbarschen, Zandern etc. Und gleichzeitig auch Wanderfischen wie Aalen, Butt, Meerforelle, Lachsen, Schnäpeln ......
Für Süßwasserfische ist das Wasser der Schlei noch nicht zu salzig, für Meeresfische aber auch noch noch nicht zu süß, die gute Brackwasserregion, die nährstoffreichsten und fruchtbarsten Küstengewässer überhaupt!

Jede Jahreszeit hat auf der Schlei neues zu bieten, der Winter und das zeitige Frühjahr bringen Heringe und Weissfische, der Sommer Aal, Butt, Hecht Meerforellen, der Herbst Barsche , Schnäpel und besonders große Butt, Hechte und viel Weissfisch.
Solange die Schlei im Winter nicht zufriert, fische ich als Berufsfischer ganzjährig und verkaufe wöchentlich fangfrischen Fisch.
Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung der Fischbestände der Schlei ist die Grundausrichtung meiner Fischerei.
So verwende ich beim Fischfang schonende Fangmethoden wie zum Beispiel Großreusen und Buttspiegelnetze. Diese haben den Vorteil,  die Fische unverletzt fangen zu können.
Somit kann ich Kunden aus meinem Hälter täglich mit frischesten Fisch versorgen, der bis zum Verkauf an Privatkunden, Händler und Gastronomen lebendig bleibt.
Das garantierte beste Qualität und Frische meiner hochwertigen regionalen Fischangebote! Und erspart mir den hohen Energieverbrauch großer Kühlräume!
Mit einem Teil meiner Fischfänge werden unter anderen auch Otterschutzstationen, Vogelwarten und Zootiere versorgt.
Regionale Fischerei ist natürlich auch den jahreszeitlichen natürlichen saisonalen Wechseln unterworfen.
So kann ich meinen Kunden stets nur die Fische der jeweiligen Saison anbieten. Abhängig ist mein Fischangebot von den gesetzlichen Schonzeiten,  Witterung, Windbedingungen und Wanderbewegungen der Fische.
Nach vorheriger  Absprache und Fangbedingungen kann ich Ihnen auch größere Mengen an Fisch anbieten.
Über eine Anfrage Ihrerseits freue ich mich, ganz gleich, ob Sie nur ein paar Butt oder gleich ein paar Kisten Heringe kaufen möchten.

Fischer_mit_Karpfen_s

Hier eine grobe Übersicht der beliebtesten Fischarten und deren Fangsaison

Fangsaison               Fischart

Januar:                      Barsch, Weissfische Hecht, Hering, ggf. Butt und Meerforelle.
Februar :                   Barsch, Hering Weissfische (Hecht nur bis zum 15.2)ggf. Butt und Meerforelle.
März :                       Barsch Hering, Butt, Schnäpel, Weissfisch ggf. Butt und Meerforelle.
 April:                        Butt, Hering, Aal, Schnäpel, Meerforelle, Hornhecht.
 Mai :                        Aal, Butt, Hering, Hecht, Meerforelle, Schnäpel,Hornhecht
Juni:                          Aal, Butt, Hecht, Meerforelle, div. Weissfische
 Juli:                          Aal, Butt, Barsch, Hecht, Meerforelle, div. Weissfische
 August :                   Aal, Butt, Barsch, Hecht, Meerforelle, div. Weissfische     
September :              Aal, Butt, Barsch, Hecht, Meerforelle, div. Weissfische
Oktober:                   Aal, Butt, Barsch, Hecht, div. Weissfische, Schnäpel
 November                Aal, Butt, Barsch, Hecht, Schnäpel, div. Weissfische
Dezember:                Aal, Butt, Barsch, Hecht, div. Weissfische

schnaepeljoerg2s
Hecht

Die Holmer Fischerzunft

Die alte Schleswiger Fischersiedlung, in welcher ich wohne, heißt Holm. Holm ist das altnordische Wort für Insel, welche der Holm bis 1935 auch war. Beim Bau der Straße für die Kaserne auf der Freiheit wurde der Fischbrückbach, welcher den Holm von Schleswig trennte, zugeschüttet. Die Verbindung des Holm als Schleswiger Fischerquartier war bis zu dieser Zeit die Fischbrücke.

Die Schleswiger Fischerei wird bereits seit dem Mittelalter in der Zeit um1200 erwähnt.  1480 erhielten die Schleswiger Fischer den Schleibrief. Im Vorfeld hatte adlige Gutsbesitzer Schleswiger Fischer beraubt und bedroht. Gleichzeitig blockierte die Fischerei mit Fischzäunen die Wadenfischerei der Schleswiger Fischer. Damals war allen Schleswiger Bürgern die freie Fischerei auf der Schlei erlaubt. In dessen Folge wurde die Schlei überfischt, da neben Berufsfischern auch Nebenerwerbsfischer die Schlei befischten. Erste Bestrebungen zur Gründung einer Fischerzunft gab es schon im Jahr 1643.

Ein wichtiger Schritt für die Schleswiger Fischerei war die Fischereiordnung , welche Herzog Christian Albrecht am 1.Juli 1685 erließ. Diese regelte erstmals den Fang zu kleiner Fische, welche damals als Schweinefutter dienten und den Handel mit Fisch. Zudem wurde vom Schleswiger Rat am gleichen Tag ein Verbot der Verunreinigung des Holmer Noores am Fischbrückbach erlassen, wo täglich Fischmarkt war. Ein fürstlicher Erlass vom 28.9.1703 stellte die Fischerei durch Unbefugte und die Mitnahme untermaßiger Fische unter Strafe.

Trotzdem ging die Berufsfischerei auf der Schlei weiter zurück, da neben den Schleswiger Fischern  auch den Schleswiger Bürgern immer noch das freie Fischen erlaubt war.

Fischräucherei

Gründung der Fischerzunft

Am19.Februar 1765 kam es dann zur Gründung der „Fischergesellschaft“ Am Gründungstag waren neben dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Schleswig 37 Holmer- Fischer anwesend. Das wichtigste Ziel war die nachhaltige Bewirtschaftung der Schlei.

Dazu wurden bei der Zunftgründung verbindliche Regeln für die Fischerei, die Maschenweite und Länge der Fischnetze ebenso wie Strafen bei Regelverstößen vereinbart.

Bei der gemeinschaftlichen Winterfischerei hatten auch die Witwen der Zunftmitglieder die gleichen  Rechte  wie ihr verstorbener Ehemann, welches bis zu einer möglichen Wiederverheiratung der Witwe galt.Ein weiterer Gedanke war die Versorgung der Schleswiger Bürgerschaft mit Fisch zu günstigen Preisen. Es musste durch die Zunft eine Versorgung der Einwohner mit Fisch für 8 Tage sichergestellt werden. Der darüber hinaus gefangene Fisch durfte auch nach außerhalb der Stadt Schleswig verkauft werden.  Geführt wurde (und wird auch heute noch) die Fischerzunft von 2 Älterleuten, welche durch den Magistrat der Stadt bestätigt wurden.

Der Magistrat seinerseits versprach den Fischern der Zunft , deren Rechte gegenüber anderen Fischern, welche an der Schlei wohnten, zu schützen.

 

Die Zunft im Wandel der Zeit

In der Folgezeit kam es bis in das 20 Jahrhundert zu mehreren Neufassungen der Regeln für die Zunft. Auch betreffend der Zahl der Fischer gab es bis zum 20.Jahrhundert eine positive Entwicklung . Lebten 1765 40 Fischer auf dem Holm, waren es im Jahr 1896 insgesamt 102 Fischer. Somit scheinen sich die Regeln für die Bewirtschaftung der Schlei bewährt zu haben. Ernährte die Schlei kurz vor der Jahrhundertwende um 1900 nun doch mehr als die zweieinhalbfache Anzahl von Fischern und deren Familien als zur Zeit der Zunftgründung.

Im 20. Jahrhundert forderten die beiden Weltkriege zahlreiche Tote unter den Zunftmitgliedern. Auch verschlechterten sich die Bedingungen für die Fischerei im Verlauf des 20 Jahrhunderts. Gründe waren die damalige Verschmutzung der Schlei durch ungeklärte Abwässer ebenso wie sich verschlechternde Absatzbedingungen für die lokale Fischerei.

Im Jahr 2016 hat die Fischerzunft leider nur noch 10 Mitglieder, welche alle bis auf meine eigene Person aus alteingesessenen Fischerfamilien vom Schleswiger Holm stammen.

Ich hoffe, dass die traditionsreiche Holmer Fischerei und die Fischerzunft auch noch in den nächsten Jahrzehnten fortbestehen. So freue ich mich über alle Menschen, welche die Liebe zum Fischerberuf teilen und sich entschließen, diesen traditionsreichen Beruf zu erlernen.

In der Hoffnung, dass in der Zukunft vielleicht wieder mehr junge Fischer die Holmer Fischerei bereichern, möchte ich anmerken, dass ich mir keinen schöneren Arbeitsplatz als die Schlei vorstellen kann. Mag der Beruf auch gelegentlich hart sein, so freue ich mich 2002 den Weg auf den Holm gefunden zu haben!

Wallpaper

nach_oben